News: Die veganen Varianten für den Kleiderschrank

Kaum ein Tierleiden ist größer als das der Pelzindustrie. Weltweit müssen Millionen von Tieren jährlich für ihr Fellkleid sterben. Unter katastrophalen Bedingungen werden Nerze, Chinchillas und Eichhörnchen in winzig kleinen Käfigen gehalten, um nach kurzer Zeit zu Mänteln, Schals und Jacken verarbeitet zu werden. Mittlerweile gibt es, anstatt tierischer Textilmaterialen, qualitativ hochwertige Kunst- und Pflanzenfasern. Ein Einblick Rund um das Thema alternativer Materialien und „Cruelty-Free“.

Noch vor zwei Jahren brachte Alessandro Michele, Chefdesigner von Gucci, die nur allzu beliebten Gucci Slippers mit Kängurufell auf den Markt. Alternativ dazu gab es diese auch noch mit Lammfell gefüttert. Etliche Models liefen für das Label viele Jahre lang mit Pelzmänteln über den Laufsteg. Bei der letzten Kollektion konnte man an mehreren Teilen Pelz erhaschen. Diese Looks sind nun Geschichte. Wie vor vier Wochen verkündet, wird Gucci zukünftig ohne Pelz arbeiten:
"In sozialer Hinsicht Verantwortung zu tragen, ist einer von Guccis zentralen Werten und wir streben weiterhin an, die Situation von Umwelt und Tieren besser zu machen. Mit der Hilfe von HSUS (Human Society oft he United) und LAV freut sich Gucci darauf, diesen nächsten Schritt zu gehen", sagt Marco Bizzarri, Geschäftsführer von Gucci.
Die momentan noch auf dem Markt erhältlichen Pelz-Kleidungsstücke von Gucci werden versteigert und der Erlös geht an die gemeinnützigen Organisationen Humane Society International und LAY. Zusammen mit der Fur Free Alliance, (FFA) bildet die Organisation eine der größten Tierschutzorganisationen weltweit. Gemeinsam kämpfen sie dafür, dem Leiden der Tiere in jeglicher Hinsicht entgegenzuwirken. An erster Stelle kommt dabei die Welt der Mode, in der sie versuchen, die starke Stimme der Tiere zu sein. Denn das Problem vieler Modehäuser ist die Tradition, die Hinter dem Pelz steckt. Doch diese sogenannte Tradition, die auch mit der Herstellung verbunden ist, hat nichts mehr mit der ursprünglichen Nutzung des Pelzes zu tun. Massenproduktion hat diesen Wert schon längst in den Hintergrund gerückt. Deshalb scheint es heutzutage nicht mehr zeitgemäß, dass Luxus über Pelz definiert wird.

Ein Schritt in die richtige Richtung

© Stella McCartney
Beim Thema Pelz gingen schon mehrere Designer vor Gucci den wichtigen – und vor allem den richtigen – Schritt. Der Italiener Giorgio Armani verpflichtete sich letztes Jahr, auf die Verwendung von Pelzen zu verzichten. Laut ihm bedeutet der technologische Fortschritt, dass Tierquälerei nicht länger gerechtfertigt ist. Das US-amerikanische Label Calvin Klein wagte diesen Schritt bereits 1994. Tommy Hilfiger und Hugo Boss gesellten sich im Laufe der Jahre nach und nach dazu. Auch die online Shopping-Plattform „Net-a-Porter“ bekannte sich im vergangenen Juni, auf Echtpelz zu verzichten. Die französische Vogue widmete ihre diesjährige August Ausgabe ausschließlich der Tierwelt und plädierte auf eine Pelzfreie Zukunft. Coverstar Gisele Bündchen posierte im Fake-Fur-Mantel mit einem Baby-Känguru in der Hand. Außerdem durfte in der Spezialausgabe ein Interview mit der britischen Designerin Stella McCartney nicht fehlen. Die Tochter des ehemaligen Beatles Paul McCartney wurde schon als Kind vegan erzogen. Die engagierte Umwelt- und Tierschützerin verarbeitet in ihrer Mode grundsätzlich weder Leder noch Pelz.

Get the Faux Leather Look: 

Stella McCartney FW17/18 © Vogue Runway
Stella McCartney FW17/18 © Vogue Runway

Tierfreundliche Qualtität

© Shrimps
Hannah Weiland, Gründerin des britischen Modelabels Shrimps, verzichtet ebenfalls auf tierische Materialien. Ihre Designs sind auf den Straßen der Modemetropolen kaum mehr wegzudenken. „Ich verstehe nicht, warum man echtes Fell tragen muss, wenn Kunstpelz so gut wie gerade jetzt ist – er ist genauso weich und warm, hält die Farbe noch besser und wird nicht staubig.“ Auch viele Modehäuser, wie Zara, H&M, Asos, Zalando und COS haben sich der Mode ohne Pelz verschrieben. Die Website Fur Free Retailer hat eine geprüfte Liste mit den verschiedensten Labels, die auf Echtpelz verzichten.

Get the Faux Fur Look: 

Das richtige Zubehör

Viele Accessoire-Labels verwenden bei ihren Produkten ausschließlich veganes Leder, das auf natürlichen Fasern basiert. Dazu gehört zum Beispiel das kanadische Label „Matt & Nat“. Beauty-Produkte dürfen bei dem Thema „Cruelty Free“ natürlich auch nicht fehlen. Tierversuche stehen in vielen Ländern noch immer auf der Tagesordnung. Unzählige Kosmetikprodukte werden in Labors an Hasen, Ratten und Affen getestet – um nur einige der vielen Tierarten zu nennen, die für unser äußerliches Erscheinungsbild Qualen erleben müssen. Dabei sollte dieses Leid heutzutage kein Thema mehr sein.
© Adorn Cosmetics

Get Cruelty-Free Beauty Products:

Glücklicherweise gibt es auch positive Beispiele: Der Megakonzern H&M verzichtet völlig auf Tierversuche. Mit ihrer Animal Welfare Policy klärt das Modelabel auf, nichts mit ethisch, unkorrekter Mode am Hut haben zu wollen – so auch deren Beautyprodukte. Auch die Kosmetikette Sephora nimmt eine Vorbildrolle ein. Die amerikanische Tattookünstlerin und Tierschutzaktivistin Kat von D entwirft seit 2008 eine Beautylinie, die in den weltweit verteilten Stores erhältlich sind. Seit 2016 sind all ihre Produkte vegan und gehören durch die Reichweite von Sephora zu einer der bekanntesten veganen Kosmetiklinien. Auch die australische Beautymarke Adorn Cosmetics ist schon seit fast zehn Jahren vegan und der Inbegriff für „Cruelty Free.“ Weitere Namen, die diesen Beispielen folgen, finden sich auf der Liste der größten Tierschutzorganisation PETA (People for theEthical Treatment of Animals). Gucci war also nicht die erste Marke, die das Umdenken in die Tat umgesetzt hat. Trotzdem repräsentiert die Entscheidung des italienischen Modehauses eine Kraft, die hoffentlich viele andere Labels mitzieht, denn Alternativen gibt es genug.

Text by Eva

Layout by Angela & Carmen 

Titelbild © Fur Free Retailer & Shrimps