News: Chanel in Hamburg

„Meine Mutter sagte: Hamburg ist das Tor zur Welt – aber es ist eben nur das Tor zur Welt und da musst du raus.“ Diese Worte nahm Karl Lagerfeld, heute einer der wohl berühmtesten Modemacher Deutschlands, zu Herzen und zog bereits mit 17 Jahren in die Hauptstadt Frankreichs, um dort bis heute Geschichte in der Modewelt zu schreiben. Für die diesjährige Chanel „Métiers d’Art“-Show am 6. Dezember zog es den gebürtigen Hamburger, der sich „eher als Hanseat, als Deutscher sieht“, zurück in seien Heimathafen. Die Elbphilharmonie wurde als das neue Wahrzeichen Hamburgs zur mondänen Location des luxuriösen Laufstegs.

Der einzig wahre King Karl

Ein weiß gepuderter Zopf, ein hochstehender, weißer Kentkragen, eine dunkle Sonnenbrille und meist ganz in Schwarz gekleidet. So kennt man den deutschen Modedesigner Karl Lagerfeld oder King Karl, wie er auch zu gerne genannt wird. Wenn man auf seine Karriere blickt, sind dies jedoch keine leeren Worte. In seinen Zwanzigern absolvierte er eine Schneiderlehre bei Pierre Balmain. Danach wechselte er zu Jean Patou und war gleichzeitig Chefdesigner des französischen Modelabels Chloé. Seit 1965 entwirft er für das italienische Luxuslabel Fendi. Seine wohl bekannteste Position ist die Chefdesinger-Rolle bei Chanel. In seinen Anfängen 1983 war das traditionsreiche französische Label nicht mehr wirklich in Form. Lagerfeld wusste, wie er dem Label wieder zu neuem Glanz verhelfen konnte und seither designt er jede einzelne Kollektion von Haute Couture bis Prêt-à-Porter – insgesamt sind es sechs Kollektionen pro Jahr.

Eine Show für die Ewigkeit

© Kera Till for Vogue Germany
Dazu zählt auch die „Métiers d’Art“-Kollektion (eine Zwischenkollektion mit Fokus auf der Atelierkunst des Hauses), die Lagerfeld jedes Mal aufs Neue als einen besonderen und persönlichem Event zelebriert. Viele der vergangenen Orte, an denen die Shows sattfanden – wie das Schloss Leopoldskron zu Salzburg oder das Pariser Hotel Ritz – spiegelten Lebensereignisse aus dem Leben von Coco Chanel wider. Dieses Jahr sollte die Kollektion und Location jedoch direkt etwas aus Karls Leben erzählen. Und das, obwohl er zu seinem Bezug zu Deutschland sagt, dass es für ihn eine Idee, keine Realität sei und dass er in der Realität von heute nicht mehr dorthin passe. Die Kollektion versprüht trotzdem das Gefühl, als würde er nicht ganz von seiner Heimat loslassen wollen.
Schon als Lagerfeld die Baupläne der Elbphilharmonie sah, wusste er, dass dieses Gebäude etwas besonderes werden würde: „Die Elbphilharmonie erinnert an kein Gebäude von früher. Sie ist die Kathedrale unseres Jahrhunderts.“ Begleitet von einem Kammerorchester zeigten die Models am 6. Dezember die modernen, hanseatischen Looks, auf dem außergewöhnlichen Laufsteg über mehrere Stockwerke. Sie liefen an den geladenen Gästen vorbei und es wurde die volle Größe der atemberaubenden Location ausgenutzt. Einmal mehr versetzte die Chanel Präsentation die Modewelt ins Staunen.

Der "Sailor's Flair"

Marineartige Culottes, Seemannspullover und Streifen wiederspiegelten den Hamburger Hafen. Accessoires wie eine Pfeife oder eine seesackartige Tasche, gaben den Looks den zusätzlichen „Seemanns-Flair“. Die mit Schnallen besetzten Schuhe waren angelehnt an die Damen-Pumps des 20. Jahrhunderts. Zusätzlich waren die 60er-Jahre und ihre Anfänge der Swinging Sixties, ein großes Thema der Zwischenkollektion. So konnte man Shiftkleider, Kostüme, Miniröcke in A-Linie und übergroßen Mützen an den Models bewundern.

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Ein Accessoire, das an keinem Model fehlen durfte (nicht einmal an dem Patensohn Karls, Hudson Kroenig), war die bekannte Elbsegler Mütze. Ob tief ins Gesicht gezogen oder mit einem Schleier, der an den Nebel Hamburgs erinnern soll – es war das Accessoire des Abends. Nach der Show bedankte sich Karl bei den Gästen, die ihm mit tosendem Applaus und einer Standing Ovation zu der mehr als gelungenen Kollektion gratulierten. Eine Kollektion, in der die Vergangenheit und Gegenwart gekonnt miteinander verknüpft waren. So zeigte die „Métiers d’Art“-Show in Hamburg erneut, warum Karl Lagerfeld zu einem der größten Designer und Menschen mit einer Hand zur Inszenierung dieser Zeit zählt. Auch wenn der Modeschöpfer als jemand gilt, der immer nach vorne und niemals zurückblickt, war es schön, mit der Kollektion einen kurzen Blick in die Vergangenheit zu wagen.
© Kera Till for Vogue Germany

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Text by Eva

Layout by Angela 

Pictures for Featured Image © chanel.com & Kera Till for Vogue Germany