News: Eine Ära geht zu Ende – Phoebe Philo verlässt Céline

Minimalismus und Coolness prägten ihren Look für das französiche Prêt-à-Porter Label Céline. Jetzt verlässt Chefdesignerin Phoebe Philo das Modehaus nach zehn Jahren. Doch inwiefern hat sie die Modewelt mit ihrem Stil geprägt?

Ihre eigene Sprache

Ein großer ausladender Mantel, eine hochtaillierte weite Hose und weiße Turnschuhe – fertig ist der Business-Look von heute. Ob in Hamburg oder New York, in der U-Bahn oder im Bus, überall sehen wir sie: Starke, im Arbeitsleben etablierte Frauen, gekleidet im Einheitslook à la Céline. Selbstverständlich sind die Trägerinnen nicht von Kopf bis Fuß in Kleidung des französischen Modehauses gehüllt. Erfunden hat diese „Uniform der Businessfrauen“ aber eine Frau, deren Designs Céline in den letzten Jahren deutlich geprägt haben: Phoebe Philo. Schon Anfang des Jahres 2016 verbreitete sich durch diverse Online-Magazine und Blogs das Gerücht, Phoebe Philo, Kreativdirektorin von Céline, würde das Modehaus verlassen. Alles nur erfunden, hieß es damals. Céline-Liebhaber und die Modebranche konnten wieder aufatmen. Doch jetzt, fast zwei Jahre später, müssen wir uns wohl alle mit der traurigen Wahrheit abfinden: Phoebe Philo wird ihren Job bei Céline aus eigenem Wunsch aufgeben und zwar schon nach der Präsentation der Herbst/Winter 17/18 Kollektion im kommenden März. Bei Céline führe man angeblich schon seit Monaten Vorstellungsgespräche mit potenziellen Nachfolgern für die Chefdesigner-Position, schreibt das Online-Magazin Business of Fashion. In ein paar Monaten werden wir erfahren, welcher Designer sich dieser neuen Aufgabe annimmt. Bis dahin können wir noch die sportlich-eleganten Designs der zierlichen Britin bewundern, die sie der Modewelt hinterlässt.
© céline.com II SS18

Zurückhaltende Mode für starke Frauen

Als Phoebe Philo im September 2008, als Nachfolgerin von Ivana Omazics, beim französischen Label Céline anfing, veränderte sie das 72-jährige Unternehmen von Grund auf. Es sollte für alle ein deutlicher Neuanfang werden. Das Headquarter wurde von Paris nach London verlagert, damit Philo näher bei ihrer Familie sein konnte. Das Team und die Händler wurden aussortiert, die Mode wurde teuer und vor allem bei jungen Frauen beliebter. Philos Kollektionen sind zurückhaltend, schlichte Pudertöne, Blusen aus Nappaleder und khakifarbene Mäntel. Selbst auf den berühmten Céline-Taschen ist das Logo der Marke nur durch einen kleinen goldenen Schriftzug zu erahnen.

Mode zum „überwerfen“ und dennoch sehr aussagekräftig. Die Schnitte sind maskulin und streng gehalten. So wirkt die Céline-Frau selbstbewusst und stark, da ihre Kleidung eine erwachsene und arbeitende Frau repräsentiert. Sie ist mit sich selbst im Reinen, will keine Männer mit ihrem Aussehen beeindrucken und hat kein Verlangen danach klischeehaft „sexy“ auszusehen. Man könnte die Kleidung von Céline tatsächlich als bestärkende Teile für Selbstliebe ansehen, da sie sich auf die Basics konzentrieren, auf die es in erster Linie ankommt: Selbstliebe, Selbstbewusstsein und Zufriedenheit. „Die Damenmode ist mittlerweile so riesig, das kann überfordern“, sagte Phoebe Philo in einem Interview mit der britischen Vogue. „Ich mag den Uniform-Aspekt in der Männermode.“

Eine Britin erobert die Modewelt

Nach ihrem Studium am Central Saint Martins College in London arbeitete Phoebe Philo ab 1997 für Chloé als Modedesignassistentin bei der damaligen Chefdesignerin Stella McCartney. Im Jahr 2001 trat sie ihre Nachfolge an. Für Chloé designte die Britin romantische Kleidchen und mädchenhafte Sandalen – heute setzt sie auf das Gegenteil: Sie kombiniert weite, lange Silhouetten und markante maskuline Schnitte. Sogar ihre Schuhe widersetzen sich jeglichem Schönheitsideal; nicht elegant, sondern bequem sollen sie sein. Zum Beispiel kamen im Jahr 2011 die „Furkenstocks“, also mit Nerz gefütterte Pantoffeln, die an die klassischen Birkenstocks erinnern, auf den Markt.

Ihnen folgte der „Granny-Shoes“-Trend und immer mehr Frauen trugen die elastischen Ballerinas mit Blockabsatz. Denn in diesen Schuhen übersteht man den harten Arbeitsalltag eben besser, als auf High Heels mit dünnem Pfennigabsatz. Die 44-Jährige hat die Garderobe für Frauen mit ihrer coolen, sportlichen und minimalistischen Mode kreativ geprägt wie bisher wohl keine andere. 2011 wählte sie das CFDA (Council of Fashion Designers America) zum „International Designer of the Year“ und 2014 zählte sie das Time-Magazin zu einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt. Die New York Times schrieb: „Hinter jedem erfolgreichen Mann steckt eine erfolgreiche Frau. Und hinter jeder guten Kollektion steckt Phoebe Philo.“

Bis Bald!

Durch Phoebe Philo ist Céline wichtiger und begehrter geworden. Sie verhalf dem Unternehmen zu einer Umsatzsteigerung von jährlich 200 Millionen Euro auf über 700 Millionen Euro. Aus einer Marke wurde eine ganze Bewegung selbstbewusster und emanzipierten Frauen, den sogenannten „Philophites“. Anscheinend hat Philo noch keine genauen Pläne für die Zukunft. Gerüchten zufolge soll sie womöglich zu Burberry wechseln, wenn Christopher Bailey das Label im März verlässt. Nun, die Gerüchte vor zwei Jahren bewiesen, dass man ihnen nie ganz trauen kann. So kann es ebenso gut sein, dass die Designerin erstmal das ruhige Leben zusammen mit ihren drei Kindern und ihrem Ehemann genießt und dabei eine kleine kreative Pause einlegt. Wir wünschen dir auf jeden Fall nur das Beste, Phoebe!

© céline.com II SS18

Bilder Quellen: céline.com, vogue.comInstagram

Text by Aline 

Layout by Angela & Carmen