Carmify: Januar Playlist

Minimalismus gibt es heutzutage überall. Es ist schick, sich mit wenig zufriedenzugeben. Dazu zählen modische Understatements wie weiße T-Shirts oder das Leben mit nur dem Nötigsten, ohne Krimskrams. Ganz simpel. In der Musik wollte die Minimal Music einen Gegenpol zu komplizierter, intellektualisierter Musik schaffen und Werke kreieren, die auf ihr Minimum reduziert waren. Doch so einfach, wie das in der Theorie klingt, war es dann doch nicht. Und auch beim Anhören der bekanntesten Minimal Werke wird man feststellen, dass sie komplexer sind als gedacht.

Wenn mehr zu viel ist

In der Musik erreicht der minimalistische Stil seinen Höhepunkt in den 1960er und 1970er Jahren in den USA. Doch schon Anfang des 20. Jahrhunderts legt der Komponist Arnold Schönberg mit seiner Zwölftontheorie den Grundstein für die Minimal Music: Laut dieser Theorie sind alle Töne gleichberechtigt und müssen keiner klassischen Harmonielehre mehr folgen. Diese Atonalität leitete die Neue Musik, im Vergleich zur Alten Musik aus der Renaissance und dem Barock, ein. Zu ihr zählte auch die Serielle Musik, die allerdings so komplex aufgebaut war, dass sie für den Zuhörer chaotisch klang – eben nicht einfach, nicht minimalistisch. Philip Glass, einer der bedeutendsten Komponisten der Minimal Music brachte den Leitgedanken der neuen Strömung auf den Punkt: „Die Grundidee bestand darin, dass die Musiksprache übermäßig intellektualisiert war; sie war so obskur geworden, dass das Publikum keinen unmittelbaren Zugang mehr zu ihr finden konnte – und gerade die Kommunikation mit dem Publikum war für uns sehr wichtig.”

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John Cage & Steve Reich © Wikimedia

Stille der Musik

Während sich Minimal Music von anderen Kompositionstechniken bewusst abhob, zeichnet sie sich durch sich wiederholende Akkorde aus, die sich im Laufe des Stücks verändern, und Segmenten, die übereinander gelagert werden. Die Kommunikation mit dem Publikum, von der Glass sprach, zeigte sich in verschiedenen Reaktionen der Zuhörer: „Als wir sahen, wie wütend und hysterisch viele Leute reagierten, wussten wir, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen hatten.” Eines der bekanntesten Stücke ist „4’ 33’’“ von John Cage, in dem vier Minuten und 33 Sekunden kein einziger Ton gespielt wird. So besteht das Stück aus Stille und den Geräuschen, die das Publikum während der Aufführung macht. Auch Terry Rileys „In C“ sorgte 1964 für Aufsehen. Zusammengesetzt aus 53 melodischen Fragmenten, darf jeder Musiker selbst entscheiden, wann und wie oft er welches spielt. Daher hat es auch keine festgelegte Dauer.

John Cage – 4'33

Die Botschaft

Das gilt auch für ein weiteres Vorzeigewerk der Minimal Music: „Six Pianos“ von Steve Reich aus dem Jahr 1973. Komponiert für sechs Klaviere, wie der Titel schon verrät, wird hier der Überlagerungseffekt deutlich, je länger man das Stück hört. Dieser ist für den einen entspannend, ein anderer ist genervt und wieder ein anderer fasziniert von diesem Ineinanderwirken der Phrasen. So stellt das Stück durch diese Ordnung wieder einen Gegenpol zur Seriellen Musik dar. Ob einem der Stil gefällt, ist natürlich Geschmacksache. Generell hören wir doch Musik, damit oder weil sie etwas in uns auslöst. In einem Interview mit dem Musik-Onlinemagazin Pitchfork erklärt Reich, dass es ihm auch gar nicht darum gehe, dass die Zuhörer seinen Kompositionsprozess verstehen: “I don't care how much people understand what it is that I'm doing, except if they're players in my ensemble or other ensembles. I just want people to be moved by the music. If you're not moved by the music, then everything else falls away. You're not interested in the text, you're not interested in how it was done, and you're not interested in interviewing the composer and all the rest of it.”

Get the Minimal Look:

Moderner Minimalismus

Wenn heute von Minimal Music die Rede ist, wird damit auch oft Minimal Techno in Verbindung gebracht. Die Produzenten dieser Musikrichtung legen auf ein Arrangement wert, das auf das Wesentliche beschränkt ist; der Beat ist das Wichtigste. Ob der Begriff „Minimal“ für diese Musik verwendet werden darf, ist bis heute ein Streitpunkt. Doch Künstler wie AKA AKA, Andhim oder Worakls sind für diejenigen zu empfehlen, die sich an das Genre herantasten möchte.

Vielleicht inspirieren Stücke wie diese ja zum Ausmisten und Entrümpeln, hin zu einem minimalistischeren Lebensstil. Und wem diese Musik immer noch ausgefallen ist, der kann ja zu "4’ 33’’" greifen und die minimalistische Stille genießen.

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AKA AKA © Wikimedia
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Andhim © Wikimedia
Tune in the CARMIFY Minimal Music Playlist

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Text by Vivian

Layout by Angela