News: Die Haute Couture zeigt sich minimalistisch

Mehr ist Mehr? Betrachtet man die aktuellen Kollektionen von Gucci, Dolce & Gabbana und Co. könnte man meinen, das Jahr 2018 wird – zumindest was die Mode betrifft – vor allem eins werden: bunt und schrill! Bei Gucci schickt Alessandro Michele seine Models in glitzernden Pailletten-Pullover oder gemusterten All-Over-Looks aus Leo- und Blumenprints über den Laufsteg. Domenico Dolce und Stefano Gabbana bleiben ihrem Stil ebenfalls treu. Viele Accessoires, viele Prints und viel Farbe bestimmen wie gewohnt ihre Frühling/Sommer Kollektion.

Auch wenn wir frische Farben und ausgefallene Schnitte lieben, sind unsere Augen für ein bisschen Abwechslung bestimmt dankbar. Denn neben dem Overload an Farben und Formen, breitet sich auch der Minimalismus immer mehr in der Modewelt aus. Prêt-à-Porter Labels wie Max Mara, Helmut Lang und die Hamburgerin Jil Sander, sind schon lange bekannt für ihre Designs im Prinzip des Purismus.
Sie setzen auf Unifarben, reduzierte Schnitte und natürlich fließende Stoffe. Was zu viel ist wird einfach weggelassen, Accessoires nur dezent eingesetzt. Bei den Couture-Schauen in Paris zeigten Designer, die normalerweise nicht für Minimalismus stehen, dass der „Clean-Chic“ auch an ihnen nicht spurlos vorbeizieht.

Spannende Zurückhaltung

Es war ihre allererste Show für das französische Modehaus Givenchy und sogleich ihre erste Haute-Couture Kollektion. Clare Waight Keller gab am Dienstagabend ihr Debüt bei Givenchy. Für ihre aufwendigen Roben und Overalls arbeitete die Britin mit schlichten, zurückhaltenden Farben – ein Drittel der Kollektion war in Schwarz gehalten. Die Schnitte der Anzugjacken und weiten Hosen wirkten durchdacht und selbstbewusst. „Ich wollte die Strenge der Schneiderei nutzen, aber auf eine feminine Art und Weise“, sagt Waight Keller gegenüber der amerikanischen Vogue. Und genau das hat sie geschafft. Durch tiefe Dekolletés wirken selbst die gerade geschnittenen, komplett schwarzen Anzüge nicht weniger feminin. Auf Schmuck wurde bei der Show fast komplett verzichtet – ein weiteres Merkmal des Purismus. Vielleicht erscheinen auch die schlichten, trägerlosen Kleider in Schwarz oder Weiß gerade wegen ihrer Zurückhaltung so spannend und unterscheiden sich von den Designs, die wir normalerweise aus der Haute Couture kennen.
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Givenchy Haute Couture SS18 © Vogue Runway

Surrealer Minimalismus

Haute Couture, Haute Couture SS18. Spring Summer 2018, Paris, Fashion, Fashion Show, Fashion Week, Minimalism, Dior, Maria Grazia Chiuri
Dior Haute Couture © Vogue Runway
Maria Grazia Chiuri ließ sich für die Dior Haute Couture Kollektion von der italienischen Künstlerin Leonor Fini inspirieren, deren erste Ausstellung in der Galerie von Christian Dior ausgestellt wurde. Als Designerin suchte Chiuri nach Parallelen zwischen der surrealistischen Künstlerin und ihr selbst. Das Musée Rodin wurde für die Vorführung zu einem surrealistischen Gemälde verwandelt – dabei hingen Vogelkäfige und überdimensionale Körperteile von der Decke. Was den Minimalismus angeht, so zeigte sich dieser bereits am Schachbrett-Boden. Auch die Kollektion war größtenteils in Schwarz und Weiß gehalten: Mäntel bestanden aus Dominosteinen, ein schlichtes weißes Kleid mit langen Ärmeln und Taillengürtel erinnerte an Diors New Look aus den 50ern – natürlich modern interpretiert. Neben den zahlreichen Abendroben stechen auch hier die taillierten Anzüge für die starke Frau von heute heraus.
Haute Couture, Haute Couture SS18. Spring Summer 2018, Paris, Fashion, Fashion Show, Fashion Week, Minimalism, Dior, Maria Grazia Chiuri
Dior Haute Couture © Vogue Runway

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Versteckte Schlichtheit

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Jean Paul Gaultier Haute Couture © Vogue Runway
Ein weiterer Designer, dem die Worte Schlichtheit und Zurückhaltung nicht auf der Stirn geschrieben stehen, ist Jean Paul Gaultier. Seine diesjährige Couture Kollektion widmete er dem heute 95-jährigen Modeschöpfer Pierre Cardin, der als Erfinder des Futurismus in der Mode der 60er-Jahre gilt. Davon inspiriert zeigte Gaultier in seiner Kollektion schrille Farben und asymmetrische Schnitte. Die Models trugen Frisuren, die an Antennen erinnerten. Aber selbst zwischen den psychedelisch gemusterten Kleidern im Op Art Stil fanden sich auch hier bei genauerem Hingucken einige sehr schlichte Outfits: Ein langes schwarzes Neckholder-Kleid mit weißem Akzent, ein schwarzer Tuxedo, von dessen Ärmeln lange Fransen hingen oder ein Anzug-Look mit einer Jacke in Cape-Form. Auch bei dieser Kollektion sorgten die Details für eine schlichte feminine Wirkung – auch wenn sie nicht gleich auf den ersten Blick zu erkennen war.

Text by Aline

Translated by Carmen

Layout by Angela

 

Background Picture Giles Turnbull via Flickr